Ein Tischler ist nicht einfach ein Möbelbauer und auch nicht nur ein Bauarbeiter mit einer Säge. In diesem Beruf kommt es auf Genauigkeit an: Maße, Winkel, passgenaue Verbindungen, saubere Schnitte und präzise Montage. Ein Fehler von wenigen Millimetern kann bereits dazu führen, dass eine Tür nicht richtig schließt, ein Paneel nicht passt oder eine Stufe schief sitzt.
In Europa werden Tischler in Werkstätten, auf Baustellen, in Montageteams, bei Herstellern von Holzkonstruktionen sowie im Innenausbau und im gewerblichen Fit-out eingesetzt. Die Arbeit kann deshalb sehr unterschiedlich aussehen. Das sollte man bereits vor der Bewerbung berücksichtigen.
Ein Tischler arbeitet beispielsweise in der Werkstatt: Zuschnitt, Holzbearbeitung, Schleifen, Montage von Bauteilen und Vorbereitung der Elemente für die spätere Montage. Ein anderer ist auf verschiedenen Baustellen unterwegs und montiert Türen, Treppen, Wandverkleidungen, Trennwände, Sockelleisten, dekorative Elemente oder Holzkonstruktionen.
Gearbeitet wird häufig mit Massivholz, Sperrholz, MDF, Spanplatten, furnierten Platten, Laminat, Leisten, Paneelen, Beschlägen und Befestigungsmaterial. Dabei reicht es nicht aus, einfach etwas zuschneiden zu können. Man muss das Material verstehen. Holz ist ein natürlicher Werkstoff: Es reagiert auf Feuchtigkeit, kann sich verziehen, reißen oder seine Form verändern.
Genau hier zeigt sich das handwerkliche Können eines guten Tischlers.
Für eine Tätigkeit als Tischler im Ausland wird in der Regel Berufserfahrung von 1–2 Jahren erwartet. Arbeitgeber achten darauf, ob der Bewerber technische Zeichnungen lesen kann, mit Hand- und Elektrowerkzeugen arbeitet, Maschinen bedienen kann, präzise Maße nimmt und Oberflächen fachgerecht bearbeitet.
Von Vorteil sind Erfahrungen bei der Montage von Türen, Treppen, Holzkonstruktionen, Wandverkleidungen, Sockelleisten, Trennwänden, Terrassen, Fensterelementen oder in einer Tischlerwerkstatt. Wer Fotos von bereits ausgeführten Arbeiten hat, sollte diese nach Möglichkeit beifügen. Für einen Tischler können konkrete Arbeitsbeispiele überzeugender sein als eine lange Beschreibung im Lebenslauf.
Die sprachlichen Anforderungen hängen vom Arbeitsplatz ab. In einer Werkstatt reichen manchmal grundlegende Arbeitsanweisungen aus. Bei Montagetätigkeiten muss man dagegen Pläne, Maße sowie Anweisungen des Vorarbeiters oder Kunden verstehen können. Englischkenntnisse oder Kenntnisse der Landessprache sind daher in jedem Fall von Vorteil.
Der Verdienst von Tischlern in Europa hängt vom Land, der Berufserfahrung, der Art der Tätigkeit und dem Grad der Selbstständigkeit ab. Bei einfacheren Arbeiten in der Werkstatt oder bei Hilfstätigkeiten können die Löhne ungefähr bei 10–14 Euro brutto pro Stunde beginnen. Tischler mit Erfahrung in der Montage, im Lesen technischer Zeichnungen, an Maschinen, im Holzbau oder bei anspruchsvollen Innenausbauarbeiten können 15–24 Euro brutto pro Stunde und mehr verdienen.
Monatlich entspricht das häufig etwa 1.800–2.700 Euro netto. Erfahrene Tischler, die selbstständig arbeiten, technische Unterlagen lesen, anspruchsvolle Montagen durchführen oder einen kleineren Arbeitsbereich eigenständig betreuen können, erreichen je nach Bedingungen 2.800–3.500 Euro netto.
Allerdings sollte man nicht nur auf die angegebene Lohnhöhe achten. Wichtig ist zu klären, ob die Arbeit in der Werkstatt oder auf Baustellen stattfindet, wer die Werkzeuge stellt, ob Unterkunft und Transport angeboten werden, ob Arbeitskleidung und Versicherung vorhanden sind, wie viele Arbeitsstunden garantiert werden und wie zusätzliche Schichten bezahlt werden.
Vor der Bewerbung sollte man genau prüfen, welcher Fachbereich gesucht wird: Tischler für die Werkstatt, Monteur für Holzkonstruktionen, Fachkraft im Innenausbau, Mitarbeiter in der Möbelproduktion oder Spezialist für Türen, Treppen und Wandverkleidungen. Die Bezeichnung der Stelle kann ähnlich sein, während die tatsächlichen Aufgaben völlig unterschiedlich ausfallen.
Im Lebenslauf sollte möglichst konkret angegeben werden, mit welchen Materialien man gearbeitet hat, ob man technische Zeichnungen lesen kann, ob Erfahrung mit Türen, Treppen, Paneelen, Terrassen oder Trennwänden vorhanden ist und welche Werkzeuge und Maschinen man beherrscht – zum Beispiel Formatkreissäge, Fräse, Schleifmaschinen, Kantenbearbeitung oder CNC-Technik. So kann der Arbeitgeber das tatsächliche Qualifikationsniveau schneller einschätzen und eine Stelle anbieten, die wirklich zu den vorhandenen Fähigkeiten passt.